Eine Turnerin springt. Sie ist gerade kopfüber in der Luft, ihre Beine ausgestreckt in die Luft, ihr Gesicht von ihren Haaren verdeckt. Im Hintergrund sieht man nur blauen Himmel. Daneben steht "Arbeitsrecht Hacks New Pay"

Handlungsoptionen gibt es immer – selbst im engsten arbeitsrechtlichen Korsett. Das zeigt unsere Kooperationspartnerin Kathrin Hartmann (manche kennen sie von ihren Angeboten im New Pay Campus) mit den „Arbeitsrecht Hacks“. Für unsere Newsletter stellt sie Tipps und Tricks zum Thema „New Pay & Arbeitsrecht“ zusammen und lotet aus, wie neue Formen der monetären und nicht-monetären Vergütung gewinnbringend für alle umsetzbar sind.

Arbeitsrecht Hack Vol. 2 - 12.2022

Besinnliches Arbeitsrecht:

Die Macht der „Bürokratiemonster“ brechen und über Ziele nachdenken 

Was haben das neue Nachweisgesetz (NachwG) und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) gemeinsam? Richtig: Für Unternehmen versprechen sie auf den ersten Blick Bürokratie ohne Ende.
So höre ich viele Klagen: Nicht genug damit, dass durch das neue Nachweisgesetz die Arbeitsverträge überarbeitet werden müssen und viel Gedrucktes anfällt. Zu diesem „Papiertiger“ kommen für größere Unternehmen mit mindestens 3.000 Mitarbeitenden nun die „LkSG-Pflichten“ hinzu, ab 2024 auch für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitenden. Sie müssen ihr Compliance-Managementsystems überarbeiten – auch im Hinblick auf Mindestlohn, Gleichbehandlung und den Gender Pay Gap. Und ab 2023 erwarten uns noch die Arbeitszeiterfassung und die Umsetzung der Whistleblower-Richtline.


Was Unternehmen konkret tun können, damit die anstehenden Neuerungen nicht nur Missmut, Kosten und Aufwand „für die Schreibtischschublade“ bringen: sich persönlich und in der eigenen Organisation auf ein klares Ziel fokussieren. Sinnlose Bürokratie mag mancherorts eine Folge von Gesetzen sein, aber, wen wundert´s, sie haben natürlich ein anderes Ziel:

  • Ziel des Lieferkettengesetzes ist der Schutz von Menschenrechten,
  • Ziel des Nachweisgesetzes ist die Transparenz der Arbeitsbedingungen,
  • Ziel der Arbeitszeiterfassung ist der Gesundheitsschutz von Mitarbeitenden und
  • Ziel der Whistleblower-Richtlinie ist der Schutz von Menschen, die wichtige Hinweise zu kriminellen Aktivitäten in Unternehmen geben.

Alles erstrebenswerte Ziele, oder? Etwas Aufwand und Bürokratie bleiben. Aber mit dem Fokus auf den Sinn und Zweck erscheint uns das nicht nur als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Das also könnte der Vorsatz 2023 sein: Einen Schritt zurück gehen und sich fragen „Worum geht’s eigentlich?“ und: „Wie erreichen wir das?“. Weniger „Das haben wir schon immer so gemacht“ und mehr Hinterfragen, Umdenken und Neudenken. Nur so werden wir zu echten Gestaltern der neuen Arbeitswelt.

Arbeitsrecht Hack Vol. 1 - 10.2022

Jetzt vereinbaren, welche Arbeitszeit wie vergütet wird: Das aktuelle BAG-Urteil vom 13.09.2022 (Az.: 1 ABR 22/21) zur Arbeitszeiterfassung hat in den (sozialen) Medien für viel Wirbel gesorgt. Von der Rückkehr der Stechuhrmentalität ist die Rede. Doch die Arbeitszeiterfassung ist nicht das Problem – diese ist meist recht einfach möglich. Die eigentliche Frage ist: Was ist Arbeitszeit und wie soll sie vergütet werden? Gerade in Unternehmen, die eine Form von Vertrauensarbeitszeit haben, sind die Grenzen von „echter Arbeit“ und „Gedankenarbeit“ fließend. Hinzu kommt: Die erfasste Arbeitszeit entspricht nicht automatisch der vergüteten Arbeitszeit.

 

Zum Beispiel hat der:die Arbeitgeber:in auch Zeiten zu bezahlen, in denen Beschäftigte in ihrem Auftrag auf Reisen sind (weitere Informationen dazu findet Ihr hier). Und aus der erfassten Arbeitszeit kann man nicht ohne Weiteres herauslesen, ob Überstunden vorliegen und zu bezahlen sind. Das BAG hat im Mai dieses Jahres nochmal klargestellt: Die Zeiterfassungspflicht ändert an den bisherigen Grundsätzen nichts. Mitarbeitende müssen also nicht nur die Mehrarbeit darlegen und beweisen, sondern auch, dass der:der Arbeitgeber:in die Leistung von Überstunden veranlasst hat oder sie ihm:ihr zumindest zuzurechnen sind. Ob und wie Überstunden vergütet werden, können Unternehmen im Arbeitsvertrag regeln. Fehlt eine Regelung, gilt eine Vergütung als stillschweigend vereinbart, wenn die Arbeitsleistung nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist. Übrigens: Vertrauensarbeitszeit schließt Überstunden und deren Bezahlung nicht automatisch aus.


Organisationen sollten deshalb ein klares Leitbild und entsprechende Regeln zum Thema Arbeitszeit haben. Dann können sie Arbeitsverträge und Vereinbarungen entsprechend gestalten – auch im Sinne von New Work. Mehr zur Arbeitszeiterfassung und Vertrauensarbeitszeit gibt’s beim nächsten „Arbeitsrecht to go“. Und um die konkrete Gestaltung von dafür möglichen vertraglichen Regelungen geht’s im Online-Workshop „Arbeitsverträge auf Augenhöhe“.


Über die Autorin

 

Kathrin Hartmann ist Rechtsanwältin und Inhaberin von „Culture your System“.


Was Ihr sonst noch über sie wissen solltet:
#Lebensmotto Das Leben ist wie ein Puzzle 🧩
#Workshoprezept Arbeitsrecht ⚖️ vermischt mit Leidenschaft und Freude 💃
#Unbezahlbar Zeit mit meiner Tochter 👩‍👧
#Biographietitel Das Finden von Glück 🍀