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  • Stefanie Hornung

Erster German Equal Pay Award verliehen

Aktualisiert: 14. Aug. 2023

Am 4. März 2022 wurde zum ersten Mal der German Equal Pay Award an Unternehmen vergeben, die sich für Entgeltgleichheit von Frauen und Männern engagieren. Das sind die Preisträger des Ideen-Wettbewerbs, den das BMFSFJ austrägt: Die Unternehmensberatung HR Pepper, das Pharmaunternehmen Roche Diagnostics und das Mobile-Banking-Start-up Tomorrow.


Logo in pastelorange vom German Equal Pay Award 2022.


Ein Ministerium, das einen Award für Equal Pay verleiht – das ist eine Besonderheit. Es sollte doch eigentlich selbstverständlich sein, dass Unternehmen sich um Lohngerechtigkeit bemühen. Offensichtlich ist dies nicht, denn die Lohnlücke liegt laut Statistischem Bundesamt noch immer bei 18 Prozent. Deshalb hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, kurz BMFSFJ, das Unternehmensprogramm „Entgeltgleichheit fördern“ initiiert, unterstützt von den Beratungen Ramboll Management Consulting und KPMG. Das Ziel: vielversprechende Ansätze schneller bekannt machen und den Austausch von Unternehmen fördern.


„Der Preis soll Ideen auszeichnen, wie man die Entgeltlücke schließt und dabei eine Vorreiterrolle einnehmen kann“, sagte Kathrin Nachtsheim von Ramboll in der Online-Preisverleihung. „Das ist kein Rechenexempel wie hoch der Gender Pay Gap in den Unternehmen ist.“  


Equal Winners für Equal Pay

Eine achtköpfige Jury – darunter auch unser Kollege Sven Franke – bewertete die eingereichten Konzepte. „Die Bandbreite der Bewerbungen war groß“, meinte Sven bei der Preisverleihung. „Die kleineren Firmen waren mutiger, die großen zeigten mehr Verantwortung über das Unternehmen hinaus.“


Die Jury erklärte sich enttäuscht darüber, dass gerade von großen Unternehmen, die laut Entgelttransparenzgesetz eine Berichtspflicht zu Gleichstellung und Entgeltgleichheit haben, so wenig kam. Perfekte, ganzheitliche Konzepte waren nicht dabei. Dafür zeigten die Unternehmen exemplarisch, wo es hakt: mehr Frauen im Topmanagement, beim Gender-Care-Gap und an veralteten Leistungsvorstellungen. „Wenn Unternehmen sagen, wir zahlen nach Leistung, Frauen aber weniger bekommen, müssen wir unsere Biases und Leistungsbilder hinterfragen“, erklärte Jurymitglied Lisa Jaspers.


Aufgrund der Verschiedenartigkeit der Ansätze war sich die Jury schnell einig, dass es kein Ranking geben sollte, sondern gleichwertige Gewinner:innen.


HR Pepper: Neue Formen der Zusammenarbeit

Das Herzstück der Transformation bei der Management-Beratung HR Pepper ist ein agiles Zusammenarbeits- und Organisationsmodell, das allen 47 Mitarbeitenden die Möglichkeit bietet, unternehmerisch tätig zu sein. Die Jury prämierte, dass die Organisation Demokratisierungsprozesse angeht – dies mache Equal Pay wahrscheinlicher. Nicht Einzelpersonen an der Spitze sollen über Gehaltsfragen entscheiden, sondern alle sind in der Verantwortung und können partizipieren. Gehälter sind intern transparent und wurden von Leistung entkoppelt – was auch Verzicht für einzelne Personen bedeuten kann.


Roche Diagnostics: Gesellschaftliche Veränderung

Das Tochterunternehmen des Pharmakonzerns Roche holte mit seinem Konzept „Eltern Plus“ den Preis: Arbeiten sowohl Vater als auch Mutter nach der Geburt des Kindes in Teilzeit, zahlt Roche Diagnostics einmalig 10.000 bis 15.000 Euro. Damit möchte das Unternehmen zu einer partnerschaftlicheren Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit beitragen und Rollenbilder verändern. Denn meist verdienen Männer mehr als Frauen, so dass sich Paare eher dazu entscheiden, dass die Mutter nach der Geburt eines Kindes zuhause bleibt – mit entsprechenden Einbußen bei ihrem Gehalt. Die Jury würdigte insbesondere das Engagement von Roche, über das eigene Unternehmen hinaus zu denken und gesellschaftliche Verantwortung zu tragen.


Tomorrow: Mut und Transparenz

Die Tomorrow GmbH nutzt ein selbst entwickeltes Instrument – die Salary & Skill Matrix. Alle rund 120 Beschäftigten des Social Business, das die Bankenwelt aufmischen möchte, können diese Bewertungsmatrix einsehen, die feste Kriterien für das Gehalt umfasst. Im Einstellungsverfahren wird nicht verhandelt, die Matrix ist auch für Kandidat:innen transparent. Außerdem gibt es Wertebotschafter:innen, um außerhalb der klassischen Hierarchie mit dem Themenkomplex umzugehen und diesen besprechbar zu machen. Eine Salary Policy sorgt dafür, dass Mitarbeitende und Führungskräfte regelmäßig über die Einordnung in die Matrix sprechen. Die Jury hob den Mut hervor, in jedem Schritt des Vergütungsprozesses Bewertungskriterien und Ergebnisse transparent zu machen. 


Gehaltstransparenz ist das A und O

Familienministerin Anne Spiegel ließ sich krankheitsbedingt entschuldigen. „Wir sind von Entgeltgleichheit zu weit entfernt“, sagte dafür die parlamentarische Staatssekretärin Ekin Deligöz in Vertretung per Videobotschaft. Das Ministerium wolle nicht nur einen Gleichstellungscheck einführen, das Betreuungsangebot für Kita und Schule weiter ausbauen und das Führungspositionengesetz II nochmals anschauen, sondern auch das Entgelttransparenzgesetz auf den Prüfstand stellen. Die Transparenzrichtlinie, die die EU-Kommission 2021 lanciert hat, werde eine Rolle spielen.


Unternehmen sind also gut beraten, sich mit dem Thema Gehaltstransparenz heute schon zu beschäftigen. Zwischen den Zeilen war zu hören, dass sich noch zu wenige Unternehmen für den German Equal Pay Award beworben haben. Dass es, um zu gewinnen, keine perfekten Konzepte, sondern vor allem überzeugende Ideen braucht, wird hoffentlich im nächsten Jahr mehr Unternehmen zur Bewerbung ermutigen.  



 

Stefanie Hornung liegt nachhaltiges Management und Vergütung am Herzen. Ob im Newsletter "Gehaltvolle Zeilen" oder auf dem Blog - sie greift aktuelle Themen der Arbeitswelt auf und komponiert Geschichten mit Tiefgang.

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